Andragogik
Ich möchte mich lernend verändern. Ich möchte gerne etwas weniger blöd sterben als ich geboren bin.
André Heller (*1946), östr. Literat u. Unterhaltungskünstler
Von der Pädagogik über die Andragogik zur "Anthropogogik"
von Petra Brändle und Arno Brändle 2008
„Lebenslanges Lernen“ ist ein Schlagwort, an dem keiner
mehr vorbei kommt. Am Arbeitsplatz, in den Medien, in der Familie und sogar im
Freundeskreis wird immer wieder die lebenslange Lernbereitschaft eingefordert.
Und wenn man die rasante Veränderung der Umwelt betrachtet, kommt man nicht
umhin dem zuzustimmen.
Mit dem Lernen und Lehren hat sich von alters her die Pädagogik (v.
griech.: paideia = Erziehung,
Bildung bzw.
pais = Knabe,
Kind + agein =
führen) beschäftigt. Während früher die schulische Bildung
bereits im Jugendalter abgeschlossen wurde, wird sie heute oft bis zum
beginnenden Erwachsenalter verlängert. Anschließende Ausbildungen mit
einem großen schulischen Anteil sind keine Seltenheit mehr. Auch heute noch
werden Studenten in vielen Veranstaltungen wie Schüler unterrichtet. Auch
Weiterbildungen in verschiedensten Berufen eignen sich oft, Erinnerungen an die
Schulzeit wach werden zu lassen. All das könnte ein Resultat dessen sein,
dass das Unterrichten von Pädagogen gelehrt wird. Erwachsene sind aber weder
Kinder noch Jugendliche. Sie haben andere Bedürfnisse, andere
Erfahrungswelten, andere Motivation und andere Werte und Einstellungen. Daraus
folgt auch eine andere, weiterentwickelte Art zu lernen. Es ist nur logisch, dass
auf die Pädagogik noch etwas folgen muss. In den 70er Jahren wurde an der
Otto-Friedrich-Universität Bamberg ein Lehrstuhl für
Andragogik geschaffen.
Die Andragogik (von griech. andras,
„Mann“ und agein, „führen“) ist somit die
Wissenschaft, die sich mit allen Lernprozessen erwachsener Menschen
beschäftigt. Sie ist damit aber nicht eine mit der Pädagogik
konkurrierende Disziplin sondern baut viel mehr auf ihr auf. Junge Menschen
bedürfen der Pädagogik. Mit zunehmendem Alter verlagert sich das
Bedürfnis zugunsten eines andragogischen Ansatzes. Da eine genaue Trennung
dieser Lebensabschnitte nicht möglich ist, muss ein guter Andragoge auch
über ein fundiertes pädagogisches Wissen verfügen. Vom
Pädagogen über den Andragogen zum „Anthropogogen“ (von
griech. ánthropos
„Mensch“ und agein, „führen“). Die Andragogik half
den semantischen Unsinn einer „Erwachsenenpädagogik“ zu
überwinden, die Anthropogogik wird sowohl einen Beitrag zur Gendersymmetrie
leisten, als auch dem Menschen in seinen lebenslangen und –breiten
Lernprozessen von der Geburt bis ins Greisenalter gerecht werden.